Südtiroler Bauernbund

KI-Praxisprojekt mit 12 Direktvermarkter:innen

Südtiroler Bauernbund

KI-Praxisprojekt mit 12 Direktvermarkter:innen

Wie KI den Alltag von Direktvermarkter:innen wirklich entlastet

Die Frage treibt viele Direktvermarkter:innen um: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz konkret im Hofalltag nutzen? Gemeinsam mit dem Südtiroler Bauernbund sind wir dieser Frage bei zwölf zertifizierten „Roter Hahn“-Betrieben in Südtirol nachgegangen. Das Ergebnis zeigt: KI ist kein theoretisches Konzept, sondern ein Werkzeug, das bei richtiger Anwendung Zeit spart, Prozesse optimiert und neue Möglichkeiten für die Direktvermarktung eröffnet.

Ein Ausschnitt aus unserem Projekt in der Ausgabe der HOFdirekt vom Mai 2026.

Von der Analyse zur individuellen Lösung

Bevor wir mit den Workshops vor Ort starteten, führten wir mit jedem Betrieb ein ausführliches Vorgespräch durch. Dabei analysierten wir den aktuellen Stand der KI-Nutzung, spezifische Herausforderungen und wiederkehrende Abläufe mit Optimierungspotenzial. Auf Basis dieser Gespräche erstellten wir für jeden Betrieb ein individuelles Handout mit maßgeschneiderten Prompting-Templates, Grundlagenwissen zu KI und sofort einsatzbereiten Vorlagen für die identifizierten Anwendungsbereiche.

Besonders wichtig war uns, dass die Lösungen nicht nur theoretisch, sondern praktisch umsetzbar sind. So entwickelten wir für einen Bio-Eier-Hof ein Excel-Kalkulationstool, das alle Kostenfaktoren – von Futter und Stallausstattung über Verpackungen bis hin zu Arbeitszeit und Marketing – berücksichtigt. Das Tool berechnet automatisch den Verkaufspreis pro Ei, inklusive Gewinnmarge, und gibt Direktvermarkter:innen damit eine klare Entscheidungsgrundlage für ihre Preispolitik. Solche individuellen Tools zeigten den Betrieben direkt, wie KI ihre betriebswirtschaftlichen Prozesse unterstützen kann.

KI dort anwenden, wo die Arbeit passiert

Mit jeweils vier Stunden pro Betrieb haben wir KI direkt vor Ort eingesetzt – zwischen Kühlzellen, an Verpackungsstationen oder im Büro. Dabei begleiteten wir eine vielfältige Gruppe von Direktvermarkter:innen: von Kräuterhöfen und Pilzzüchter:innen über Wein- und Käseproduzent:innen bis hin zu Bio-Eier-Höfen und Trockenobsthersteller:innen. Jeder Betrieb hatte individuelle Herausforderungen, und genau darauf haben wir die KI-Anwendungen zugeschnitten.

Ein Weinhof nutzte KI beispielsweise, um stilistisch passende Übersetzungen für die Kommunikation mit italienischen Kund:innen zu erstellen. Käsehersteller:innen setzten Canva ein, um professionelle Etiketten ohne externen Grafiker zu gestalten. Ein weiterer Betrieb identifizierte mit KI-Hilfe einen Pilzbefall am Weizen und entwickelte darauf basierend eine maßgeschneiderte Pflanzenschutzstrategie. Besonders spannend war zu sehen, wie KI auch bei der Produktentwicklung helfen kann: Ein Hof nutzte sie, um Rezeptideen für bisher ungenutzte Restprodukte wie Rinderknorpel zu entwickeln.

Was die Direktvermarkter:innen daraus gemacht haben

Im Mai 2026 zogen wir gemeinsam Bilanz. Die Rückmeldungen zeigten: Die Einstellung zu KI hat sich bei fast allen Betrieben grundlegend verändert. Während viele anfangs skeptisch waren, nutzen sie die Tools jetzt routiniert – und sparen damit wertvolle Zeit.

Einige Betriebe berichteten von einer Zeitersparnis von 5 bis 10 Stunden pro Woche, weil sie KI für die Erstellung von Produktbeschreibungen, Social-Media-Inhalten oder E-Mails einsetzten. Andere sparten Zeit bei Recherchen, etwa bei der Suche nach Verpackungsfirmen oder der Entwicklung von Pflanzenschutzstrategien. Besonders begeistert waren die Direktvermarkter:innen von der Möglichkeit, schnelle Antworten auf praktische Fragen zu erhalten – etwa zu Pflanzabständen oder betriebswirtschaftlichen Berechnungen.

Die Handouts und individuellen Anleitungen waren dabei besonders hilfreich, um KI direkt im Betrieb einzusetzen. Viele Betreiber:innen betonten, dass sie durch die Beratung nicht nur gelernt haben, wie KI funktioniert, sondern auch, wo sie im eigenen Betrieb am meisten bringt – und wo sie an Grenzen stößt.

Überblick: KI-Anwendungsfälle bei den 12 Südtiroler Betrieben

Texte & Kommunikation
Produktbeschreibungen, Social Media, E-Mails, Übersetzungen (IT/DE), Rezeptideen
Bildgenerierung & Design
Produktbilder, Etiketten, Flyer, Logos, Social-Media-Grafiken, Canva Brand Kit
Preiskalkulation & Buchhaltung
Eierpreis-Kalkulationssheet, Kund:innen-Gruppen-Preise, Margenoptimierung, Excel-Formeln
Recherche & Wissensmanagement
Pflanzenschutzstrategien, Lieferantenrecherche, technische Rückfragen, praktische Fragen (z. B. Pflanzabstände)
Produktentwicklung
Restprodukt-Verwertung (z. B. Rinderknorpel), neue Produktlinien (z. B. alkoholfreies Bier), Verpackungsdesign
Organisation & Verwaltung
PDF-Erstellung (z. B. Informationsblätter), Eventmanagement, Terminplanung, E-Mail-Automatisierung

Herausforderungen und wie sie gelöst wurden

Trotz der vielen Vorteile gab es auch Hürden. Einige Betriebe hatten Bedenken beim Datenschutz, etwa bei der Frage, welche Daten sie mit KI teilen dürfen. Hier half die Empfehlung, sensible Daten zu anonymisieren oder lokale KI-Tools zu nutzen. Zudem wurde der Einsatz europäischer Lösungen empfohlen. Andere hatten Schwierigkeiten mit der Präzision bei der Bildgenerierung, etwa wenn spezielle Positionierungen oder Stile nicht umsetzbar waren. Durch gezieltes Prompt-Training mit klaren Vorgaben zu Composition, Stil und Details konnten die Ergebnisse deutlich verbessert werden.

Ein häufiges Problem war auch die Tool-Auswahl: Nicht jedes Tool passt zu jedem Betrieb. Während einige mit ChatGPT beste Erfahrungen machten, bevorzugten andere Gemini für Bildgenerierung oder Claude für die Erstellung von PDF-Dokumenten. Hier halfen individuelle Ansätze, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Direktvermarkter:innen zugeschnitten waren.

KI ist kein Wundermittel – aber ein mächtiges Werkzeug

Unser Projekt hat gezeigt: KI verändert nicht von heute auf morgen alles. Aber sie kann – richtig eingesetzt – Prozesse vereinfachen, Kreativität fördern und Zeit für das Wesentliche freimachen: die Arbeit in der Direktvermarktung.

Besonders wichtig war uns, keine abstrakten Konzepte zu vermitteln, sondern praktische Lösungen für den Alltag. Deshalb haben wir nicht nur über KI gesprochen, sondern sie gemeinsam direkt am Hof ausprobiert. Produktbeschreibungen wurden vor Ort am Hofladen verfasst, Social-Media-Ideen entstanden am Küchentisch, und das Eierpreis-Kalkulationstool wurde in Echtzeit durchgespielt.

Der beste Ort, um KI zu lernen, ist dort, wo die Arbeit passiert. Und der beste Weg, um herauszufinden, was funktioniert, ist: ausprobieren, reflektieren und anpassen.

Mehr als nur KI: Ein echter Partner für Direktvermarkter:innen

Obwohl KI im Fokus stand, ging es im Projekt um mehr. Wir waren echte Partner für die Betriebe und haben auch bei allgemeinen Fragestellungen unterstützt – etwa bei technischen Problemen wie der Kamerainstallation für Produktfotos, bei Excel-Formeln für betriebswirtschaftliche Berechnungen oder bei Grundlagen des Marketings.

Am Ende ging es darum, den Direktvermarkter:innen so viel Zeit wie möglich für das zu geben, was sie eigentlich wollen: ihre Arbeit in der Landwirtschaft.

Und der Ausblick? Wie immer ein absoluter Traum - hier bei der Burgruine Ortenstein in Meran.

Mehr zum Thema KI in der Direktvermarktung?

Wenn Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, finden Sie auf unserem Blog unseren ausführlichen Praxisleitfaden zur Künstlichen Intelligenz in der Direktvermarktung:

🔗 Praktischer KI-Leitfaden für Direktvermarkter:innen

Dort erfahren Sie, wie Sie KI gezielt in Ihrem Betrieb einsetzen können – mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen aus der Praxis.